WieserWelt

Reisen - Wein - Fotografie - Genuss

Am Samstag, 11.10.2014, machen sich vier Vorarlberger auf, um diese geheimnisvolle Vulkaninsel zu erkunden. Wir, Margit und Manfred Wieser und Carmen und Wolfgang Lassnig haben die Strapazen des ca. 11stündigen Fluges von Paris nach St. Denis, der Hauptstadt von La Réunion auf uns genommen. Während des ganzen Anfluges haben wir Zeit, die Insel zwischen den Wolken zu suchen, ein Südseewetter zum Empfang war das nicht! Doch die Insel hat noch mehr Überraschungen parat! Wir vier Reisende warten am Flughafen vergeblich auf unser Gepäck! Keine festen Schuhe, kein Wanderzeug, kein Rasierapparat, keine Kleidung zum Wechseln! Doch die Fluglinie „Air Austral“ scheint dafür vorbereitet zu sein: Es gibt ein „Erste-Hilfe-Übernachtungspaket“: Zahnpasta, Zahnbürste, Haarbürste, Hygieneartikel, Nähzeug, sowie T-Shirt und kurze Hose! Wenigstens mit dem Mietauto klappt alles; es ist ein Renault Megané, der gerade genug Platz für unsere Koffer und Rucksäcke hat. Die Straßen sind hervorragend ausgebaut und beschildert. So fahren wir an der Küste etwas Richtung Osten und bekommen schon mal einen ersten Eindruck. Das Meer ist weit und blau, die Ufer von schwarzen Steinen gesäumt, vom Landesinneren grüßen schon die hohen, grünen Vulkanhänge. Unser erstes Ziel ist Hell-Bourg, der Hauptort im Cirque de Salazie.

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Der Cirque de Salazie ist einer von drei gewaltigen Talkesseln im Inneren der Insel. Mit den Cirques de Mafate und Cilaos gruppiert er sich um die höchste Erhebung der Insel, dem Piton des Neiges (3071m). Alle drei waren ursprünglich Teil eines Vulkanmassives, das nach Ende seiner Aktivität langsam zusammen sackte. Die Kräfte der Erosion formten das bizarre System von Schluchten, Plateaus, Steilwänden und Berggipfeln. Der Cirque de Salazie wartet schon mit seinen Besonderheiten auf uns! Da es hier am meisten Niederschlag gibt, ist er auch der grünste Talkessel mit den meisten Wasserfällen. Er ist auch am leichtesten zugänglich, daher auch am bevölkerungsreichsten. Auf der Fahrt in diesen Talkessel werden wir überwältigt! Anfangs von den Zuckerrohrplantagen auf den sanft ansteigenden Küstenflächen und den Wandelröschen- und Engelstrompetenbüschen – 3x grösser als bei und daheim, dann von der Höhe und Steilheit der Bergwände, von denen kleine Wasserfälle ins Flussbett des Rivière du Mat schweben. Nicht umsonst heißen sie „Brautschleierfälle“. Eigentlich handelt es sich hier um einen Berghang, der einen einzigen Wasserfall darstellt, nur unterbrochen von der üppigen Pflanzenwelt.

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Endlich kommen wir in unserm Quartier in Hell-Bourg an! Da wir die Zimmer noch nicht beziehen können, spazieren wir durch den Ort. Gleich fallen uns die typischen Häuser im kreolischen Stil auf: einstöckige Holzbauweise, bunte Farben, ein Vordach mit kunstvollen Schnitzereien („Lambrequins“) eine Veranda und ein liebevoll gepflegter Garten. Die „Lambrequins“ gehören zu den auffälligsten dekorativen Elementen der kreolischen Häuser. Das Muster der Schutzblenden ist Früchten nachempfunden und erfüllt neben dem ästhetischen auch einen praktischen Zweck. An den Vordächern schützen sie Fenster, Fassaden oder Veranden vor den wuchtigen Regenfällen. Ebenfalls auffallend für uns sind die Menschen: braune Gesichter mit tiefen Furchen, Rasta Locken, rot-schwarz-gelb-gestreifte Häckelmütze, kurze Hosen, bloße Füße, aber auch bildhübsche Mädchen, die mit großem Selbstbewusstsein über die Hauptstraße gehen. Wir setzen uns für einen Imbiss vor das Tourismusbüro. Schnell bemerken wir, dass hier das Leben etwas ruhiger abläuft. Die Bestellung dauert etwas länger, man trifft sich hier zum kleinen Snack, freut sich an der Begegnung und genießt das Leben, wie es ist. Das Warten auf die Paninis und Sandwiches hat sich gelohnt, sie sind 3x grösser und besser als daheim!

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So gestärkt spazieren wir zum Friedhof des Dorfes – ein Blumenmeer wohin man auch schaut! Jedes Grab scheint ein kleines Gärtchen mit Ringelblumen, Margeriten, fleißigem Lieschen und anderen exotischen Pflanzen zu sein! Und dahinter wieder die grünen, steilen Massive der Vulkankegel! Nach mehr als 30 Stunden unterwegs freuen wir uns endlich auf ein gemütliches Abendessen, das wir im Hotel einnehmen. Natürlich wollen wir typisch einheimisch speisen: Hühnerartig (Eintopfgericht) und Huhn in Kokossauce, dazu Reis und Linsen.
Sonntag, 12.10.2014 Da wir noch auf unser Gepäck warten müssen, durchstreifen wir noch einmal das Dorf, das sich in der sonntäglichen Morgensonne schon viel freundlicher zeigt! Die Weihnachtssterne in Buschgröße, der Bambus in Baumausmassen und die bunte Vielfalt der Blüten leuchten vor dem regengewaschenen blauen Himmel. Abseits der Hauptstraße finden wir die Vielfalt einen Dorfes: neben den gestern schon bewunderten kreolischen farbenfrohen Häusern gibt es aber auch einfache Blechbaracken aus denen Insel Rap dröhnt, alte ausgeschlachtete Autos am Strassenrand oder Plastikmüll hinter Steinmauern. In Verlängerung der Hauptstraße folgen wir einem Pfeil „Les Anciens Thermes“. Ein wunderbarer Plattenweg führt an Bananensträuchern, Bambushecken und anderen urwaldähnlichen Pflanzen vorbei abwärts zum Flussbett des Bras-Sec. Ein paar Mauerreste und ein verrosteter Wasserkessel zeugen von der Blüte eines Kurbades zwischen 1904 und 1920, als die Mineralquellen von Leber- und Magenkranken frequentiert wurden.

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Wir vier setzten uns ins Auto und fahren wenige Kilometer Tal auswärts zu einem Aussichtspunkt. Vom „Point de Jour“ (892 m) bewunderten früher die Kurgäste in der aufgehenden Morgensonne die Bergkulisse, die vom charakteristischen Kegel des Cimendef (2228m), dem Piton d´Anchaing (1356m) und dem plateauartigen Bergrücken des Piton Plaine des Fougères (1800m) gebildet wurden. Auch wir haben Glück und schießen schnell ein paar schöne Fotos – denn von der Küste her schiebt sich schon wieder eine Regenwand herein! Wir lassen uns nicht beirren und fahren dem Regen entgegen. Im Dorf Salazie beherrscht eine wuchtige Kirche mit ihren vierstöckigen, eckigen Türmen das Ortsbild. Drinnen empfängt uns ein weitläufiger Kirchenraum mit einfacher Ausstattung und naiven, volkstümlichen Marienstatuen mit kitschig echten, aber auch Plastiklilien zu Füssen.

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Der Regen ist stärker geworden, wir finden Zuflucht in einer Bäckerei und studieren das nächste Ziel – Mare-à-Poule-d ´Eau. Beim Sportplatz hat sich die männliche Dorfjugend getroffen. Aber nicht Fussball steht im Mittelpunkt – nein – es sind Hähne! Solange wir zuschauen wollen die Viecher anscheinend nichts tun. Da hilft kein Wasser, kein Anfeuern, keine Streicheleinheiten. Wir gehen und schauen und das Dörfchen an. Auch hier finden wir herrliche Blumenpracht und schmucke Häuschen im kreolischen Stil. Besonders beeindruckt mich die Vielfalt der Weihnachtssterne! Hier sind sie strauchhoch, und haben nicht nur die roten Blätter, die wir von daheim kennen, sondern auch eine große Varietät an Blütenständen! Wir kommen wieder am Kampfplatz vorbei. Diesmal haben die Hähne mehr Kampfgeist. Besonders einer ist ein aggressiver Pecker, worüber sein Besitzer lautstark jubelt. Wir erkennen leider nicht, wer der Verlierer ist (Wäre der in den Suppentopf gekommen?)

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Der Regen schickt uns zurück nach Hell-Bourg, wo inzwischen unsere Koffer angekommen sind! Endlich ist das feste Schuhwerk da! Gleich machen wir uns wieder auf den Weg! Da gibt es am Ortsende ein paar Wasserfälle, die wir besichtigen wollen. Doch der spannendste Teil ist wohl der Weg dorthin! Eine ca. 20% steile asphaltierte Straße fordert das Schuhprofil und unsere Muskulatur! Aber auch der folgende Weg über Steine und Wurzeln und durch einen tropischen Wald ist nicht minder steil. Am Ziel fällt uns zuerst ein Marienheiligtum auf: ein weißes Kreuz, auf den wenigen Stufen hinauf Porzellantäfelchen in Buchform mit Dank an die Jungfrau. Im Hintergrund ein kleiner Wasserfall – zart und dezent. Von unserem kleinen Plateau gehen nochmals zwei Wasserfälle in ein badewannengrosses Bassin. Beim Rückweg zu unserem Hotel eröffnet sich ein neuer Blickwinkel auf das Dörfchen vor uns – jetzt erkennt man deutlich, wie die Häuser auf dem Hochplateau sitzen und vom Piton d´Anchaing bewacht werden. Diesen Tag voller wunderbarer Natureindrücke lassen wir in einem typisch kreolischen Restaurant mit typisch kreolischem Essen ausklingen: Poulet á la Vanille, Chouchou Gratin, würzige Wurststückchen, flambierte Bananen.

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Montag, 13.10.2014 Wir vier Vorarlberger haben uns schon sehr gut akklimatisiert. Heute geht´s ab in die Berge! Wir fahren auf die andere Talkesselseite. In vielen Kurven geht es z. Tl. steil rauf und runter. Die Dörfchen sind hier irgendwie gepflegter, aber im Baustil auch europäischer. Durch den Blick auf Hell-Bourg gegenüber bekomme ich langsam ein Gefühl für die Geographie dieser Insel. Ich erkenne das Tal, das vom Rivière du Mat durchflutet wird. Ich erahne, wo die beiden anderen Cirques sind. Ich erlebe die geheimnisvolle Landschaft mit den steilen, bewaldeten Berghängen und den kleinen Plateaus, auf denen sich die bunten Häuschen drängen. Wenige Kilometer nach dem letzten Ort Grand-Ìlet bleiben wir mal stehen. Die Aussicht talauswärts ist einfach herrlich. Wir sehen bis zum Meer! Das ganze Tal präsentiert sich im vormittäglichen Sonnenlicht! Hier könnte man bleiben! Vom Parkplatz am Col des Boeufs auf 1956 m Seehöhe starten wir unsere heutige Tour – hinein in den Cirque de Mafate!

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Dieser Talkessel ist nur zu Fuß oder per Hubschrauber erreichbar. Daher gibt es wenige Bewohner. Und die leben hauptsächlich davon, dass sie die Wanderwege intakt halten, Gäste bewirten und etwas von der Landwirtschaft. Die ersten 40 Höhenmeter legen wir ganz bequem auf einer sanft ansteigenden Forststraße zurück. Hier sieht es fast ein bisschen aus wie bei uns daheim: unter uns Tannenbäume, in der Ferne der Felseinschnitt, wo wir hin müssen. Am Ende des Weges stehen wir auf einer balkonartigen Fläche. Hier liegt uns der gesamte Talkessel zu Füssen! Welch ein herrlicher Blick auf das vielfältige Grün der Bäume und Sträucher in dieser fast unberührten Gegend. Doch wesentlich beeindruckender ist die immense Felswand dahinter, die eine schier gerade, unendlich lange Mauer als Begrenzung bildet. Ein Wahnsinnsanblick, den man nicht beschreiben kann! „Le Rempart“, wie ich aus der Karte lese, endet in seinem südlichen Ende im „Le Grand Bénare“ mit 2898 m.
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Über unzählige Treppchen und Serpentinen führt der Weg in das dichte Grün des „Plaine des Tamarins“ hinunter. Mannshohe Farnbäume begleiten uns bis wir in die märchenhafte Waldlandschaft der Tamarindenbäume eintauchen. Über Holzstege, Wurzeln und flache Steine führt der Weg geradewegs durch eine zauberhafte Natur! Die Wanderwege sind hervorragen gepflegt, die Beschilderung genau; nur die Zeitangaben gelten doch eher für geübte Wanderer. An einer Kreuzung müssen wir uns entscheiden: kürzer, dafür steiler nach La Novelle oder länger, aber weniger auf und ab nach Marla. Manfred hat Probleme mit seiner Achillessehne. Der ebene Weg ist für ihn leichter, also weiter Richtung Marla. Auf dem Weg gibt es einen Stacheldrahtzaun, über den ganz bequem ein Treppchen führt. Komisch, was ist denn da eingezäunt? Etwas später bemerken wir Kuhfladen auf dem Weg. Tatsächlich! Da sind Rinder zwischen den Bäumen! Sie sind nicht sehr groß, aber eine Lebensgrundlage für die Bauern hier. Marla in 1620 m ist das am höchsten gelegene Dorf im Cirque. Wir haben es immer im Blick, doch sehen wir nicht, dass wir eine Schlucht überwinden müssen, um dahin zu kommen.

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Bevor die nächste Wegstrecke wieder einige Meter in die Tiefe führt, beschließt Manfred umzukehren, seine Achillessehne brennt. Margit lässt ihn nicht gerne alleine, begleitet dann doch Wolfi und mich. Einige Höhenmeter tiefer treffen wir ein deutsches Ehepaar. Sie erzählen uns, dass es noch ziemlich weit runter geht, wir dann eine Furt queren und schließlich alles wieder rauf steigen müssen, um nach Marla zu kommen. 1,5 Stunden müssen wir schon rechnen! Auf einer kleinen Karte habe ich gesehen, dass es vorher eine Abzweigung nach La Novelle gibt. Doch mit der Zeit kommt uns allen die Zweifel, ob die Tour dann doch nicht zu lange wird und kehren vernünftigerweise um. Der Rückweg erweist sich als gar nicht so anstrengend wie befürchtet. Doch die Zeit ist richtig gewählt, denn während unseres Aufstieges zum Col de Boeufs strömen Nebelschwaden über die Bergkämme in den Kessel herein. Oben angelangt stehen wir fast im Nebel, der wie eine dichte Decke über uns schwebt. Bei der Rückfahrt kehren wir noch im kreolischen Dorf Grand-Ílet ein. Die „Café-Diele“ verkauft dort nicht nur Kaffee, Getränke oder Eis, sondern hat auch ein Regal an der Wand, wo Reis und Salz mit Haarshampoo und Body milk, Knabbergebäck mit Konservendosen und Spirituosen nebeneinander angeboten werden!

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Dienstag.14.10.2014 Die Reise geht weiter. Wir fahren talauswärts und an der Küste entlang Richtung Südosten bis Ste-Anne. Dort sticht und eine eigenartig kitschige Kirche ins Auge! Das blaue und reich geschmückte Bauwerk erstaunt uns in seinem Inneren noch viel mehr. Über und über ist der Kirchenraum ausgestattet mit Engelsköpfen, aufgemalten Rosen,
buntem Stuck, Blumen-mosaik in braun und weiß!Die Eglise de Sainte-Anne wurde von 1922-1940 von Pére Dobemberger aus dem Elsass geschmückt. Inspiriert u.a. von den großen französischen Kathedralen und den tamilischen Tempeln stattete er die Kirche mithilfe von Gemeindemitgliedern und Schulkindern so üppig aus.
Wir verlassen die Küste und nehmen die Hauptverbindungsstrecke von Ost nach West durch das Landesinnere. Anfangs begleiten uns Zuckerrohrplantagen und Ananasfelder. Doch je weiter wir in die Berge kommen, desto mehr faszinieren mich die Farnbäume! 16km von der Küste entfernt passieren wir La Plaine-des-Palmistes,
einem blumengeschmückten Ort, der genauso gut in den Schweizer Alpen sein könnte. Dann schlängelt sich die Straße weiter hinauf zum Col Bellevue (1606m). Hier wandelt sich das Bild gewaltig. Man meint, man wäre daheim auf den heimischen Almen: Rinder, Weideflächen, Bauernhöfe. Über diese Hoch-ebene (Plaine des Cafres)
erreichen wir bald Bourg-Murat, das wir später einmal besuchen. In vielen Kurven schlängelt sich die Straße der Südküste zu.

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Unser heutiges Ziel ist L´ Entre Deux, das allerdings auf einem gegenüberliegenden Plateau liegt. Manfred leitet Wolfi durch kleine Dörfer abseits der Hauptroute. So erleben wir richtig abenteuerlich steile und enge Kehren - eine Herausforderung für den Chauffeur! Auch Margit und ich kommen mit dem Schauen kaum nach: niedliche Häuschen, rosa und orange Blütenzäune, einfache kleine Läden, dunkelhäutige Schulkinder, ebenen mit Gemüseanbau. Und dann die lange Brücke über das Bachbett des Bras de la Plaine. Von hier aus sind es noch wenige Kilometer bis zu unserem Ziel, dem schmucken Hotel Dimitile in L´Entre Deux. Es ist Mittagszeit, und wir suchen uns eine Imbissstube. Dass das „L´estanco“ noch eine wichtige Rolle bei unserem Aufenthalt spielen würde, ahnen wir noch nicht! Während wir hier ein überdimensionales Sandwich und wunderbaren Salat essen, beobachten wir das Treiben in diesem Ort. Tolle Autos fahren vorüber, die Jugend ist europäisch unterwegs mit Stöpsel im Ohr und Smartphone, Handwerker bleiben schnell stehen, um sich eine Pizza von neben an zu holen. Europa im Tropenflair!

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Obwohl die Berggipfel rundum in eine Nebelwolke gehüllt sind, testen Wolfi und Manfred den Hotelpool. Das Wasser ist uns Mädels zu kalt. Lieber erkunden wir die Gegend, L´Entre Deux zählt ja zu den schönsten kreolischen Dörfern Réunions! Das Plateau war lange Zeit unbewohnt und daher für geflüchtete Sklaven ein willkommener Rückzugsort. Im 19.Jhd. erlebte die 1500-Seelen-Gemeinde anfangs gute Jahre, doch gegen Ende zwangen die Wirtschaftskrise und diverse Pflanzenkrankheiten die Bewohner dazu, ihre Plantagen aufzugeben. Nach einigen Jahren zogen wieder Bauern zu, die kleine Landparzellen bekamen. Jede Familie konnte sich ein kleineres oder größeres kreolischen Haus bauen, das die Menschen noch heute bewohnen und instand halten.

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Margit und ich wollen uns diese Häuser anschauen, die im Führer so interessant beschrieben sind. Doch das ist gar nicht so einfach! Wir finden die angegebenen Adressen nicht. Auf gut Glück gehen wir einfach los und stoßen so auf gepflegte Häuschen, aber auch alte Holz-bauten, die schon lange keine frische Farbe mehr gesehen haben! Das eine oder andere beschriebene Gebäude liegt auf unserem Weg und zeigt die typischen Zeichen kreolischer Architektur. Die Schutzbleche an den Dächern (Lambrequins) weisen hier mehr Formenvielfalt auf als in Hell-Bourg. Manche Gärten sind üppig und geordnet bepflanzt, manche eher spartanisch, manchmal lässt man der Natur freien Lauf. So habe ich zum Fotografieren jede Menge wunderbarer Motive! Margit und ich finden schließlich auch noch das Tourismusbüro, das in einem kreolischen Häuschen untergebracht ist. In der Nähe der Kirche gönnen wir uns noch ein Eis, ein paar Schritte weiter finden wir eine einladende Bäckerei zum Kaffee trinken. Und gleich dahinter ist ein Obst- und Gemüseladen, der wirklich einladend aussieht! Wir sind begeistert vom Angebot und kaufen für die morgige Wanderung ein paar Früchte und Tomaten ein. Währenddessen im Hotel haben es sich die Herren bei einem Gläschen chilenischen Weines gemütlich gemacht. Gemeinsam freuen wir uns nun auf ein gepflegtes Abendessen im hoteleigenen Restaurant.
Mittwoch, 15.10.2014
Der Morgen beginnt hier fast heimisch mit Vogelgezwitscher, Kirchenglocken, Hahnengeschrei, dezentes Autogeräusch. Nach den Frühstück packen wir die Wandersachen ein – unser Ziel ist heute der Piton de la Fournaise (2632m).

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Über die große Brücke geht´s wieder in die Berge, hinauf auf die Ebene „Plaine des Cafres“ bis nach Bourg-Murat auf ca. 1600m Seehöhe. Von hier aus folgen wir dem Pfeil „Route du Volcan“. Die 45minütige Anfahrt zum Pas de Bellecombe bietet auch hier wieder viel Sehenswertes: Das kurvenreiche Bergsträßlein ist malerisch im Wald angelegt. Danach kommen wieder Weidegründe. Weder die Kühe noch wir haben eine schöne Aussicht – zu oft ziehen Nebelschwaden vorbei. Auf einer Höhe von ca. 2000m zeigen sich schon die Vorboten des Vulkans: niedriges Buschwerk in silber und grün, roter oder grauer Boden. Der Nebel hinterlässt Tropfen auf der Windschutzscheibe. Lohnt es sich weiterzufahren? Doch immer wieder reißt die Wolkendecke auf und der blaue Himmel lockt uns vorwärts. Am Pas de Sables angelangt bekommen wir den ersten imposanten Blick auf eine weite Mondlandschaft. Eine 7 km lange Schotterstraße führt durch die dunkelbraun-graue Fläche zu den Vulkanhügeln am Horizont. Wolfi lenkt unser Auto die Serpentinen runter, auch wir wirbeln bei der Fahrt eine Staubwolke hinter uns auf. Sand- und Felsformationen aus Basalt in den verschiedensten Grau-, Braun, aber auch Rottönen ziehen an uns vorbei, ehe wir endlich den Ausgangspunkt unserer Wanderung erreichen. Von der Abbruchkante des Kraters auf 2311m sehen wir zum Piton de la Fournaise hinüber.

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Der Piton de la Fournaise ( „Glutofen“) gehört weltweit zu den aktivsten, aber auch ungefährlichsten Vulkanen und bricht im Schnitt alle neun Monate mal mehr, mal weniger spektakulär aus. Gelegentlich öffnen sich auch Spalten am Vulkanhang außerhalb der Caldera Ränder. Dann können Lavaströme in bewohnte Gegenden fließen und Ortschaften bedrohen. 1977 zerstörte ein solcher Lavastrom Häuser im Ort Ste-Rose und kesselte die dortige Kirche teilweise ein, ohne sie jedoch zu zerstören. Dazwischen liegt der 13km x 9km breite Enclos Fouqué, eine scheinbar lebensfeindliche Ebene. Von der Caldera aus erscheint der Boden unten glatt und glänzend. Später werden wir merken, dass er eine Fläche aus ineinandergeschobenen und verkeilten Platten basaltischer Stricklava ist. Der Großteil aller Eruptionen spielt sich innerhalb des Enclos Fouqué ab. Die Lava strömt dann den zum Ozean offenen Hang hinab (Grand Brulé)
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Am Einstieg geht ganz schön der Wind; ich bin froh um Jacke, lange Wanderhose und Stirnband. Doch je weiter es die 100m in die Tiefe geht, desto angenehmer wird es. Wenige Minuten später erreichen wir einen kleinen, aber markant rot schimmernden Krater. Weil seine Trichterform an die Erdhügel erinnern, die Ameisenlöwen (frz. fourmi-lion) bauen, taufte man ihn Formica Léo. Als Wegmarkierung dienen weiße Punkte am Lavaboden. Es ist ratsam, in ihrer Nähe zu bleiben, denn der Nebel kann schnell hereinbrechen und die Orientierung erschweren.

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Bei jedem Schritt gibt es tolle Basaltformen zu sehen. Oft kommt es mir vor, als stünde ich auf einer erstarrten runzligen Elefantenhaut, dann wieder sehe ich die Falten und Fältchen des Lavastromes wie auf meinen Fingerkuppen. In einiger Entfernung kann ich größere Felsgebilde erkennen. Auf den abgerundeten Lavasteinen kann man ganz bequem dorthin wandern, sodass man in gut 20 min die Formation erreicht hat. „La Chapelle de Rosemont“ ist aus einer Glasblase entstanden und sieht aus wie eine Tropfsteinhöhle.

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Jetzt beginnt der Aufstieg zum Krater. Der Wanderweg wird schmäler, die Farbe der erstarrten Lava zeigt sich in helleren und dunkleren Schattierungen. Die Nebelschwaden streichen um die Berghänge und vermitteln ein gespenstisches Bild. Die weiße Bodenmarkierung begleitet uns stetig, hinter jeder Wegbiegung erwarten wir den Gipfel zu sehn. Doch nichts! Gut, dass die Landschaft so abwechslungsreich ist, so ist es immer spannend die Muster und Formen der erkalteten Lava zu studieren. Das Gestein bekommt bald einen blauen irisierenden Schimmer. Manchmal sieht es aus, als ob in der Sonne eine „indische Müllhalde“ glänzt. Manchmal lassen die Wölkchen den Blick ins Tal linker Hand frei. Immer besser kann man den riesigen Hang erkennen, an dem bei Ausbrüchen die Lava zum Meer hin abfließt.

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Der Weg zum Kraterrand zieht sich elendiglich – doch nach ca. 2,5 h Gesamtzeit haben wir den Cratère Dolomieu (2632m) endlich erreicht. Welch ein imposanter Blick in das riesige Loch, das 2007 bei einer Jahrhunderteruption entstanden ist! 400m soll es da runtergehen! Wir müssen schon aufpassen, dass uns da der Wind nicht rein weht! Ich brauche eine Weile bis ich die Dimensionen aufnehmen kann. Wenn da der Eifelturm drinnen steht, befinden wir uns auf der Höhe der Spitze! Die Gipfelrast fällt kurz aus, der Wind ist hier nicht gerade angenehm. Schade, denn die Aussicht auf das Wolkenmeer und manchmal auch bis zum indischen Ozean runter ist einfach traumhaft! In zügigem Tempo geht es retour. Im Nachmittagslicht finden Manfred und ich immer wieder beeindruckende Fotomotive – es ist faszinierend! Gegen 15 Uhr sind wir wieder beim Auto. Müde, aber äußerst zufrieden! Auf der Heimfahrt sehen wir, was am Morgen der Nebel, verdeckt hat: Almgebiet, Rinder, Wälder wie bei uns, Buschlandschaft. Am Abend bummeln wir durch L´Entre Deux und suchen ein Lokal. Doch nichts hat offen. Ist heute Ruhetag? Einzig das „L´estanco“ hat Platz und Essen für uns! Wird das unsere Stammkneipe aus Réunion?

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Donnerstag, 16.10.2014 Heute besuchen wir den größten Bergsee der Insel. „Le Grand Etang“ finden wir, wenn wir zurück Richtung Ostküste fahren. 8 km vor dem Hauptort St-Benoit führt eine kleine Seitenstraße ins niederschlagsreiche Hinterland. Vom Parkplatz aus führt der Weg erst einmal – wie könnte es anders sein – nach oben! Ein Lavastrom des Piton de la Fournaise hat vor über 4000 Jahren das Tal verschüttet und den Zufluss Bras d´ Annette verlegt, sodass sich die Wassermassen stauten. Es ist schwül, tropisch eben. Am Boden hüpfen Frösche davon, außer ein paar Vögeln gibt es keine Tiere zu sehen. Nach ca. 20 min Anstieg erreichen wir eine kleine Aussichtsfläche, von der man den ganzen See überblickt. Eingebettet zwischen den grünbewachsenen Steilhängen liegt der See ruhig zu unseren Füssen. Eine grüne Oase, wohin man auch schaut. Nicht umsonst ist dieses Fleckchen beliebt bei Ornithologen; hier haben viele Vögel ihr ungestörtes Paradies! Das Gezwitscher hören wir ringsum in den Büschen und Bäumen, vereinzelt zischen sie auch über unsere Köpfe hinweg. Die kleinen Flieger sind aber oft so schnell, dass ich sie mit meiner Kamera gar nicht erwische! Dafür entdecke ich eine wunderschöne handtellergrosse Spinne. Die Seidenspinne oder Radnetzspinne (Nephila) webt ihr Netz extrem stabil und reißfest, doch ist sie völlig ungefährlich!

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Vorbei an üppig wachsenden Baumfarnen und Rosenapfelbäumen und durch einen tropischen Märchenwald geht es bis ans Talende, wo meterhohe Wasserfälle in einem Bassin enden. Die Cascades du Bras d´Annette sind ein perfekter Ort zum Pause machen. Hier fühlt man sich von der Welt abgeschnitten inmitten einer friedlichen Natur. Zurück geht es auf der anderen Seeseite. Von hier aus sieht man die Wasserfläche viel öfter, der Weg ist flacher und bequemer. Wasser gibt es nicht nur vom Boden her, es beginnt auch leicht zu regnen, sodass ich den Regenschutz auspacke. Auf der Rückfahrt bleiben wir in Bourg-Murat stehen, um das Vulkanmuseum anzuschauen. Zu Beginn schauen wir uns einen 4D-Film über die Entstehung des Piton de la Fournaise an. Eine 3D –Brille versetzt uns räumlich unter Wasser, in ein Flugzeug und in einem Lavastrom. Die 4. Dimension spüren wir: die Sessel wackeln bei der Reise mit dem Hubschrauber, warme Luft strömt uns entgegen als wir dem speienden Vulkan zu nahe kommen, Muränen „berühren“ uns an den Beinen als wir über den Meeresgrund schweben. Margit und ich schrecken auf! Ganz zum Schluss gibt es noch ein paar Wasserspritzer, als der kleine Roboter, der uns durch den Film führt, ins Meer zurück verschwindet! In den Ausstellungs-ebenen wird der Vulkanismus im Allgemeinen und auch speziell von La Réunion dokumentiert und erklärt. Besondern beeindruckend finden wir die Videos über die Lavaströme. Erst im Juni 2014 ist am Piton de la Furnaise ein Strom talwärts geflossen. Abends sind wir wieder auf der Suche nach einem Restaurant. Das einzige Lokal, das offen hat, ist das „L´estanco“! Wir werden schon freundlich begrüßt! Außerdem isst man hier relativ billig und gut.

Freitag, 17.10.2014 Die Koffer sind wieder gepackt; Margit nimmt schweren Herzens Abschied von „Vanille“, dem Hotelhündchen. Doch bevor wir abreisen, machen wir noch einen Spaziergang durch das Dorf und zum „L´Arche Naturelle“, einem Teilstück eines früheren langen Lavatunnels am Flussbett des Bras de la Plaine. Dazu müssen wir 150m die Schlucht hinunter. Der Weg ist super angelegt. Über Stein- oder Holzstufen geht´s runter, zwischendurch schlängelt sich der breite Pfad in Serpentinen abwärts, abgegrenzt von mannshohen Agaven. Uns fällt auf, dass sehr viele sportliche Leute an uns vorbeilaufen. Männer und Frauen – mit und ohne Hund – kommen uns meist joggend entgegen. Auch eine Schulklasse hat Ausflug!

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Über das fast trockene Bachbett führt eine kleine Fußgängerbrücke. Von einem Lavabogen kann ich hier nichts entdecken. Auch ein paar Meter weiter auf der anderen Bachbettseite gibt es Bananenstauden und einen steinigen Weg. Wir vier halten uns nicht lange auf, so interessant ist das nicht! Erst später lese ich, dass die Formation noch ein Stück entfernt ist! Im Dorf besuchen wir unsere „Stammbäckerei“. Hier gibt es eine wahre Fülle von leckeren Torten und dunklen Broten! Wolfi ist ganz begeistert von der schönen Verzierung der süßen Leckerei! In der Backstube sind der Meister und sein Mitarbeiter gerade dabei, Kleingebäck herzustellen. Durch die Scheibe schieße ich ein paar Bilder – die zwei Handwerker freuen sich sichtlich!
Die Fahrt geht nun nach Süden an die Küste. Ziel ist das „Palm und Spa Hotel“ in Grand Anse. Eine Woche Luxus und relaxen erwartet uns dort. Herrlich! Die Anlage ist wunderbar: Blick auf das Meer, zwei Pools, Jacuzzi, ein kleines „Beach-Restaurant“, für Wolfi einen Fitness-raum. Die Zimmer sind großzügig mit romantischer Beleuchtung, ansprechendem Ambiente und tollem Bad. Also nichts wie auspacken und ab in den Pool! Am späten Nachmittag spaziere ich mit Margit runter zum Strand. Das Meer riecht hier einfach herrlich! Kein Fischgestank, nur laue Meeresluft – und grau-schwarzer Sand unter meinen Füssen! Der Strand ist aber nicht nur Anziehungspunkt für Erholungssuchende, sondern auch für Hochzeitsgesellschaften. Gleich drei davon treffen wir hier. Die Gesellschaften haben wohl jeweils ein Motto. Die Gäste einer Gruppe haben irgendetwas in Grün an, die anderen tragen eher rot, rose oder Fuchsia.
Den Begrüßungsdrink nehmen wir unterm Bambusschirm in der lauen Abendluft. Und zur Einstimmung auf kreolisches Feeling lauschen wir den flotten Jungs, die Séga und Maloya, die Musik der Einheimischen präsentieren. Begleitet werden sie von zwei Mädchen, die leichtfüßig zu den Rhythmen tanzen. Danach sind wir hungrig! Hungrig nach den Spezialitäten dieses Landes. Das kreolische Buffet ist ein wahres Schlaraffenland! Geräucherter Thunfisch, Spinattarte, Wurst in Briochteig, Entenfarce auf Löffelchen, Palmherzensalat, Crepes mit Garnelen, Ente mit Vanille, Crevetten in Rum flambiert, Schwertfisch, Linsen, diverse Carris und jede Menge Süßes… Danach „rolle“ ich nur noch ins Bett……

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Samstag, 18.10.2014 So, wie der Tag gestern geendet hat, so beginnen wir ihn heute – mit einer Schlemmerei vom Frühstücksbuffet. Manfred kredenzt uns sogar ein Gläschen Sekt mit frischen Erdbeeren. Aber auch die reunionesischen Spatzen wissen was gut ist – wir müssen aufpassen, dass sie uns nicht das Brot direkt vom Teller stehlen!
Heute ist in St-Pierre Wochenmarkt! Das müssen wir uns anschauen! Schnell sind wir im Menschengetümmel und umgeben von Obst, Gemüse, Gewürzen, selbst lebenden Hühnern. Wir finden hier eine Vielfalt an Farben und Formen, bekannte und für uns exotische Früchte. Am meisten interessiert uns jedoch ein Markenzeichen dieser Insel – die Vanille! Die braunen gebündelten Schoten gibt es in verschiedenen Qualitätsstufen. Wolfi prüft genau und kauft dann fleißig ein! Wir können uns kaum satt sehen! Gelbe kleine Bananen, die hellgrüne stachelige Jack Frucht, kleine gelbe und rote Ananas, bunt geflochtene Körbe und Taschen, verschieden große Oliven, getrocknete Früchte, verschrumpelte Mandarinen, Ingwerknollen, sommerliche Kleidung, indische Tücher, Souvenirs, Kampfhähne, rosarote Blumen, Chouchou, gegrillte Würstchen und Hühnerhälften, getrocknete Kräuter! Und dazwischen Menschen aller Hautfarben! Es ist ein buntes Treiben! Wir bringen unsere Vanilleeinkäufe zum Auto und fahren einige Meter weiter ins Zentrum. Da sind viele kleine Geschäfte mit allerlei Krimskrams und Kleidung. In der überdachten Markthalle werden jede Menge Erzeugnisse der Insel angeboten – ein riesiger Souvenir-laden mit kleinen Bars rundherum. Besonders spannend finde ich zwei Läden, die eine Mischung aus Kinderspielzeuggeschäft, Haushaltswarenladen und spirituelles Kitschgeschäft sind – alles auf engstem Raum! Daneben gibt es stygische Kleidung für kleine Leute. Die Kinder sind dann eingekleidet wie Models. Auffallend ist, dass in den Straßen ein einigermaßen geordneter Verkehr abläuft. Die Autofahrer sind sehr zuvorkommend, Fußgänger lässt man über die Straße, andere Autofahrer einreihen.

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Langsam haben wir genug vom Stadtleben und freuen uns auf einen Nachmittag am Pool. Leider zieht das Wetter zu, es ist nicht mehr so warm, gerade richtig für den beheizten Jacuzzi und eine kleine Fotosafari im Hotelgelände! Den frühen Abend verbringen wir am Strand unten. Zwar verdecken wieder dunkle Wolken den Himmel, sodass der Sonnenuntergang nur als rot-oranges Licht zu erahnen ist. Dafür lauschen wir mehr dem Meeresrauschen und beobachten die Menschen, die sich zum picknicken oder Geburtstag feiern hier niedergelassen haben.

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Sonntag, 19.10.2014 Der heutige Ausflug führt in den Osten. Auf der Hauptstraße N2 passieren wir die nächst größere Stadt. Obwohl es Sonntag ist und die Geschäfte geschlossen sind, schieben sich die Autos durch die Straßen. Die Bewohner scheinen alle an den Strand zum Picknicken zu fahren – einem beliebten Hobby der Réunionesen. Am Strassenrand stehen Grillstationen. Dort kann man seine Hühnchen, Fleischspiesse u.a. gegrillt kaufen. Brot und Salat nimmt man von daheim mit.

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Den ersten Halt machen wir am Cap Méchant. Der Name, der auf Deutsch „hinterhältiges Kap“ bedeutet, kommt nicht von ungefähr. Der Wind peitscht die Meereswellen gegen die Felszunge aus schroffem Lavagestein. Früher fürchteten die Seeleute, Fischer und Piraten die unberechenbaren Winde, Strömungen, Riffe und scharfkantigen Lavaklippen. Hier verloren sie oft ganze Schiffe oder gar ihr eigenes Leben. Vom Parkplatz erreicht man über Stufen das erste kleine Plateau der gepflegten, park-ähnlichen Anlage mit Picknickkiosken und Feuerstellen. Über Treppen kommt man dann auf die Lavaklippen, von wo sich traumhafte Blicke auf die schroffe Steilküste eröffnen
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Nur wenige Autominuten weiter eröffnet sich uns eine ganz andere Welt. Mitten in einem urwaldähnlichen Park gehen wir auf Entdeckungsreise nach Gewürzen und Heilpflanzen, für die dieser Garten bekannt ist. Der „Jardin des Parfums et des Épices“ wurde vom Hobby-Botaniker Patrick Fontaine auf einem 800 Jahre alten Lavastrom angelegt und gilt als der schönste botanische Garten der Insel. Auf dem Weg zum Eingang leuchten aus dem Pflanzendickicht schon die ersten roten Blüten, eine Heliconia rostrata, dt. Schnabelheliconia. Das Bananengewächs hat einen festen Platz in vielen Inselgärten. Da die roten Blüten mit dem breiten gelben Rand Papageienschnäbeln ähneln, bekamen sie den Namen „bec d´oiseau“ (Vogelschnabel). Bei jedem Schritt durch den Wundergarten entdecke ich unzählige Orchideenarten, Palmen mit den unterschiedlichsten Stammoberflächen, urzeitliche Farnbäume, Vacoas, Flamingo Blumen, Bambuswäldchen, Strelitzien, Weihnachtssterne mit einer Blütenvielfalt und, und, und. Zwei Naturschönheiten faszinieren mich aber am meisten: Die „Liane de Jade“, dt. Jadewein, ist ein Schmetterlingsblütler in interessantem blau-grün. Die Farbe entsteht durch das besondere Verhältnis der beiden Pigmente Malvin und Saponarin in der äußeren Schicht der Blütenblätter. Die andere trägt im französischen den Namen „rose de porcelain“. Von blassorange bis knackig rot reicht die Färbung des attraktiven „Fackel-Ingwers“ oder „Kaiserzepter“. Ist die Blüte geschlossen, wird sie in Singapur und Malaysia zum Kochen verwendet. Die geöffneten Blüten erreichen einen Durchmesser von 25cm!

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Je weiter wir nach Osten kommen desto weniger Besiedelung gibt es. Bisher begleiteten uns schöne kreolische Häuser mit z.Tl. sehr farbenfrohen Fassaden und Gärten. Doch langsam lösen Farne und Büsche, aber auch die Zeichen der Vulkantätigkeit die Zivilisation ab. Am Pointe de la Table sind wir hautnah dran. 1986 wurde an dieser Stelle La Réunion durch einen Vulkanausbruch am Fournaise um ca. 25 ha vergrößert. Sehenswert sind da die vielen unterschiedlichen Lavaarten, Einschübe, Tuben und Lavatunnel. Schon der Anfahrtsweg ist abenteuerlich. Wir biegen mit unserem Auto von der Hauptstraße in einen Schotterweg ab und folgen dem Pfeil „Pointe da la Table“. Mitten auf dem Feldweg liegen viele größere und kleinere Steine. Das Auto wird ganz schön durchgeschüttelt. Irgendwann stellt Manfred das Auto doch ab und wir gehen zu Fuß weiter. Der Strand ist eine einzige hell-dunkel-grau-schwarze Fläche, übersät von großen Steinbrocken. Dazwischen erscheint rot und beige gefärbte Lava, als ob sie gerade erstarrt wäre. Der Wind bläst heftig und schleudert das Meer gegen die Küste; das Wasser spritzt hoch herauf. So nagt eine Naturgewalt an der anderen und verändert die Küstenlinie ständig.

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Bevor es zur Hauptattraktion der Ostküste geht, löschen wir vier unseren Durst. Manfred kennt da ein uriges lokal, „La case volcan“. Der quirlige Chef reagiert gleich, als Margit und ich nicht den üblichen Softdrink wollen. Er bringt uns hausgemachten Guavesaft – schmeckt lecker! Gleich um die nächste Kurve sehen wir sie – Le Grand Brulé! Die große Fläche, wo die Lavaströme ihren Weg zum Meer finden. Von der kleinen Anhöhe können wir sehr gut erkennen, wo die jüngsten Lavamassen flossen – sie sind dunkler gefärbt. Grüne Bereiche beweisen, dass die Vegetation die Oberhand hat. Die ersten 1,5 km fahren wir über die Lavamassen, die 2007 ausgespuckt wurden. Die Straße ist wellig, weil sie sich dem Gestein anpasst und von den Kräften der Tektonik verändert wird. Der Blick zum Meer hin zeigt, wie sich das Land in diese Richtung hin vergrößert. Ins Landesinnere geschaut, können wir nur erahnen, wo die sanft ansteigenden Hügel hingehen – eine Wolkendecke versperrt die Sicht. Eine gute halbe Stunde später der nächste sehenswerte Ort – eine kleine Bucht am anderen Ende der „Grand Brulé“: Anse des Cascades. Sie lockt mit Wasserfällen, Palmen, rund geschliffenen Basaltbrocken, dunkelgrauem Kieselstrand, bunt bemalten Fischerbooten. Auf der Straße runter zur Bucht schiebt sich ein Auto nach dem anderen. Die Parkplätze sind bis weit zur Hauptstraße besetzt. Was ist da los? Ach, ja, es ist Sonntag und Picknickzeit für die Réunionesen! Vom Auto aus erkennen wir das lebenslustige Treiben der Menschen; sie sitzen beisammen, singen, grillen, feiern und genießen das Leben unter freiem Himmel!

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Bis zum Ort Piton Ste-Rose ist es nicht mehr weit. Am Ortseingang steht die Kirche, die 1977 Berühmtheit erlangt hat. Am 13.April dieses Jahres brach der Piton de la Fournaise aus. Die Lava ergoss sich damals in nordöstlicher Richtung den Bergrücken vom Fournaise hinab und zerstörte ca. 30 Häuser im Ort. Wie durch ein Wunder teilte sich der glühende Fluss und verschonte so die Kirche, ebenso wie alle Bewohner und das Haus der Gendarmerie schräg gegenüber. Seither heißt die Kirche „Notre-Dames des Laves“.

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Manfred, Margit, Wolfi und ich machen uns auf den Rückweg. Hierlassen wir die Naturschönheiten im Schnelldurchlauf an uns vorbei ziehen. Fast am südöstlichsten Zipfel der Insel gibt es einen Zwischenstopp. Das kleine Restaurant ist auf der landinneren Straßenseite, die Tische aber gegenüber – so haben die Gäste einen traumhaften Blick auf das Meer und immer eine frische Brise um die Nase! Wieder im Hotel gönnen wir unseren Körpern ein erfrischendes Bad. Doch Sonne liegen ist nicht mehr drin, der Himmel ist (natürlich) wolkenverhangen! Dafür gibt es einen schönen Sonnenuntergang! Eigentlich wollten wir abends auswärts essen. Doch das kleine Restaurant nebenan hat zu. Im Hotel bestellen wir kreolisches Fleisch- und Fischcarri. Jeder bekommt drei gusseiserne Töpfchen – eins mit dem Fleisch- bzw. Fischgericht, eins mit Reis und eines mit Linsen. Das sieht nicht nur toll aus, es schmeckt auch sehr gut!
Montag, 20.10 2014 Am Vormittag bleiben wir im Hotel. Da bekommen wir wenigstens noch etwas von der Sonne ab. Manfred ist ein absoluter Sonnenanbeter. Margit ist eher sportlich unterwegs und „walked“ eine Stunde am Crosstrainer im Wasser. Während ich den wärmeren Pool bevorzuge, hat Wolfi lieber den kälteren - „von Gottes Hand gewärmt“ hat man uns mal erklärt. Egal, wo man ist, es gibt immer einen schönen Blick auf das Meer oder auf ein harmonisches Blumenarrangement in der Anlage. Gegen Mittag werfen die Wolken wieder ihre Schatten. Kein Problem! Wir erkunden weiter die Insel.

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Diesmal fahren wir schnurstracks gegen Westen, nach St-Louis. Im Führer habe ich über eine Moschee, quirliges Leben und Balkone gelesen. Das möchte ich mir gerne anschauen. Wir fahren durch die Hauptstraße, die nicht gerade einladend aussieht. In einer Seitenstraße finden wir vor einem „Doktorhaus“ einen Parkplatz. Hier ordinieren zwei Internisten, etwas weiter vorne sehe ich die Schilder von einem Hautarzt, an der Ecke befindet sich eine „Pharmazie“. Das Gesundheitswesen ist auf La Réunion sehr gut. Pharmazien findet man fast häufiger als Supermärkte, in einem Ort gibt es oft mehr als zwei Tierarztpraxen, auch Massage- und Physio-/Kinesiotherapie Praxen habe ich gesehen. Auch das beste Krankenhaus im indischen Ozean liegt nicht weite entfernt, gleich in der nächsten Stadt, St-Pierre. Das türkisfarbene Minarett der Mosquée Mubarak weist uns den Weg. Die Moschee ist ein schöner weißer Bau, der allerdings nicht so einfach zu besichtigen ist. Viel spannender finde ich die muslimische Bevölkerung, die an ihrer Kleidung leicht zu erkennen ist. Nur wenige Seitenstraßen entfernt steht das Gotteshaus der Christen. Die Kirche ist die größte und höchste der ganzen Insel – aber kein Vergleich zu den sakralen Bauten in Europa! Im Inneren zeigt sie sich aber in ihrer wahren Größe mit dem Hauptschiff und den beiden Seiten-schiffen, die durch Basaltsäulen getrennt sind. St-Louis wird auch die „Stadt der Balkone“ genannt. Davon gibt es wirklich viele; aber die wenigsten sind wirklich schön. Wir alle finden nichts Besonderes an diesem Städtchen und fahren lieber der Küste zu. Bei der Stadtausfahrt erhasche ich noch einen Blick auf die Zuckerrohrfabrik, in der u.a. Palmzucker und verschiedene Zuckersorten aus Zuckerrohr hergestellt werden

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Über die Schnellstraße geht´s nach L´Etang-Salé-les-Bains. 500m vor dem letzten Haus liegt ein landschaftlich reizvolles Naherholungsgebiet, „Le Gouffre“. Am Strand turnen wir über hohes vulkanisches Gestein. Wo sich in den steilen Klippen meterlange Spalten aufgetan haben, wird das Meerwasser tosend herein gedrückt und entkommet nur mehr in meterhohen Fontänen in die Höhe. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel. Leider gibt es auch traurige Bilder. Im sandigen Teil stehen duzende kleine Kreuze. Sie zeugen vom Freitod der oftmals jungen Leute, die sich aus Liebeskummer oder sozialen Problemen ins Wasser stürzten. Im Ort suchen wir nach einer geeigneten Stelle, wo wir den berühmten Strand erleben können. Doch die Idylle mit dem blauen Meer, dem herrlichen Sandstrand, den schatten-spendenden Palmen und Filoabäumen trügt. Schnell spüren wir, dass im Sand ohne Schuhe nichts zu machen ist – es ist vulkanartig heiß! Aber auch der Plastikmüll und die schmuddeligen Snackbuden rundum laden gar nicht zum Verweilen ein!

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Manfred schwärmt uns von St-Leu vor! In nur 30 min über die Schnellstraße sind wir dort. Einen ersten Eindruck bekommen wir, als wir über die Hauptstraße durch das Örtchen fahren: buntes Leben, viele Läden, eine Kirche. Erst beim Rundgang zu Fuß haben wir die Möglichkeit vieles genauer zu sehen. Die Kirche „Notre Dame de la Salette“ ist aus dunklem Stein gebaut; sein Dachstuhl jedoch fasziniert mich, welch eine beeindruckende Bauweise! Am Strand weht der Wind genauso intensiv, wie schon an den Orten davor. Der Sonnen-schirm bei unserem Pausenkiosk wird ständig umgeweht; ist nicht sehr angenehm. Beim Rückweg zum Auto kommen wir am Rathaus und der Post vorbei. Beide Institutionen sind in ehemaligen Lagerhallen untergebracht, die noch vom regen Handel mit Kaffee im 18.Jhd herstammen. Es ist genug für heute. Wir beschließen, in St-Pierre Abend essen zu gehen. Nach 45 min Autofahrt in Richtung unseres Hotels sind wir wieder am Parkplatz suchen. Gut, dass wir uns schon ein bisschen auskennen. Doch wo gibt es jetzt am Nachmittag etwas Essbares? Die Bäckereien haben alle zu, die Snackbars öffnen gewöhnlich erst gegen 19 Uhr. Jetzt um 17 Uhr haben viele Geschäfte ihre Rollladen schon oder noch her unten. Wir schlendern durch die Gassen und suchen verzweifelt nach Nahrung! Endlich eine Bäckerei! Die letzten beiden Baguettes, die über den Ladentisch wandern, gehören uns!

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Die Frage nach dem Abendessen bleibt. Bis 19 Uhr ist es noch lang. Sollen wir ins Hotel zurück fahren? Hat das kleine Restaurant in der Nähe heute offen? Die Zeit ist schon ziemlich vorgerückt, die Sonne steht schon tief am Horizont. In Hafennähe haben wir noch einen wunderbaren Blick auf einen perfekten Sonnenuntergang – das Highlight des Tages! Aber es gibt noch ein zweites! Auf dem Weg zum Auto kommen wir an einem Restaurant vorbei. Das „Be Lounge“ hat jetzt um 18.15 Uhr schon offen und wir können gleich essen! Das Interieur ist schlicht in grau, rosa und transparent. Unsere Aufmerksamkeit wird sowieso vom fulminanten Buffet gefesselt: Platten mit kreolischen und asiatischen Vorspeisen, appetitlich dekorierte frische Salate, Töpfe mit Fleisch- und Fischspeisen, Gemüseaufläufe, Meeresfrüchte , Gänseleber, Lachs, dann Früchte, Kuchen, Eis, Creme Brulée – ein wahres Schlaraffenland! Uns das alles für € 20.- (plus Getränke)!!! Während wir verzückt die Leckereien vertilgen, bringt man aus der Küche noch immer Platten mit gebratenem Fleisch, Spießchen und anderen Schlemmereien. Wer soll das bloß essen? Gegen halb acht beantwortet sich die Frage. Die Réunionesen essen spät. Es dauert nicht lange und das Restaurant ist voll. Da aller guten Dinge drei sind, gönnen wir uns noch ein Highlight. Manfred, Wolfi und ich genießen noch eine Sprudelmassage im Hoteljacuzzi und einen romantischen Blick in den Sternenhimmel!
Dienstag, 21.10.2014 Nach so viel Meereswellen und Sandstrand treibt es uns heute in die Berge. Um halb neun sind wir schon an St-Pierre und Le Tampon im Landesinneren vorbei. Das Wetter erlaubt uns einen wunderbaren Blick Richtung Küste, aber auch über die Plaine des Cafres hinüber zum Dimitile (1837m), dem Grand Bénare (2898m) und dem höchsten Punkt der Insel, dem Piton de Neiges (3071m). Die „Almen“ der Insel liegen heute im klaren Licht in sanften Hügeln und frischen Grüntönen vor uns. Das Panorama in blau und grün ist hier heimelig und fremdartig zugleich!

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Auf der uns schon bekannten Route du Volcan bleiben wir in Höhe des Nez de Boeuf (2136m) stehen. Von hier aus haben wir einen imposanten Blick in die tiefe Schlucht des Rivière des Remparts. Wie viele 100 Meter geht es hier wohl in die Tiefe? Doch unser Ausgangspunkt liegt am Pas des Sables auf 2350 m Höhe. Diesmal wird uns der Blick hinunter in die Mondlandschaft des „Plaine des Sables“ ständig begleiten. Vom Parkplatz wandern wir auf fast ebenem Weg zum „Morne Langevin“ hinüber. Auf dem 3,5 km langen Weg durchstreifen wir die typische Vulkanlandschaft: Das rot-braun-graue Gestein knirscht unter unseren Wanderschuhen, Farbtupfer liefern die grünen Heidebüsche mit ihren gelben Blüten – ein wunderbarer Kontrast zum silbrig grauen, harten Gebüsch dazwischen. Die Sonne am wolkenlosen Himmel zaubert noch interessante Schattenmuster in die Lavabrocken.

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Gegen halb elf kriechen Wolken von der Küste und der Schlucht her auf die Hochebene. Wie weit werden sie uns die Sicht verdecken? Als wir 45 min später den „Gipfel“ (2404m) erreichten, schauen wir in ein Wolkenmeer unter uns – und sitzen im strahlenden Sonnenschein! Auf dem Rückweg lockt der Blick in die Ebene „Plaine des Sables“ Manfred und mich immer wieder an den Rand des Steilhanges. Je nach Sonneneinstrahlung leuchtet das Vulkangestein in den verschiedensten Farbtönen! Für uns Fotografen ist das eine unerschöpfliche Quelle sensationeller Motive! Dazwischen wandert mein Blick aber auch an den Boden. Hier gibt es eine Fülle von verwitterten Hölzchen, klein verästelten Stauden und Lavasteinchen. Perfekt für Margit´s Lavakrippe, die sie im Frühling machen möchte

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Manfred entscheidet sich bei der Heimfahrt für einen anderen Weg. Kurz vor Bourg-Murat biegt er auf eine Nebenstraße ein. So schnuppern wir réunionesische Landluft und kommen an Bauernhöfen mit ihren Rinderstallungen vorbei. Irgendwo in der Natur machen wir Halt. Auf dem Weg zu einem „Look Out“ kommen Manfred, Wolfi und ich an wild wachsenden Callas vorbei! Ein bisschen Urwaldfeeling überkommt mich. Große Farnblätter säumen den Weg zur Aussichtsplattform, von der man noch einmal einen weitläufigen Blick in die Schlucht hat. Weiter geht es an Erdbeerplantagen, Ananasfeldern und jeder Menge Zuckerrohr vorbei. Der Straßenverkauf zur Küste runter ist jetzt wieder steiler und kurviger.
Am Abend stellt sich wieder die Frage „Wo werden wir heute essen?“ Wir haben endlich ein kleines traditionelles Restaurant in Hotelnähe gefunden! Im verandaähnlichen Speiseraum sind schon bunte Teller auf den Plastiktischdecken, grüne Neonlampen spenden gespenstisches Licht. Der Wirt spricht nur französisch; aber mit Gestik und Mimik entschlüsseln wir gemeinsam die Speisekarte. Die Zeit bis zum Essen vertreibt das Beobachten eines kleinen Geckos, der über uns auf der Holzdecke sitzt und ein paar Mücken verspeist. Ich habe kein Problem damit, solange er nur dort oben bleibt! Endlich wird aufgetragen! Rindfleisch mit Paprika, Ente, Huhn Chop suy, Gemüseplatte – herrlich asiatisch angehaucht! Und zum Nachtisch Eis in Steinpilz- und Pyramidenform!
Mittwoch, 22.10.2014 Den Vormittag verbringen wir ganz entspannt im Liegebett, Pool oder Sprudelbad. Doch wie so oft lässt uns das Wetter nicht in Ruhe ausspannen. Es ist ziemlich wolkig und kühl.
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Manfred, Margit und ich entscheiden uns für einen Ausflug. Wenige Kilometer im Landesinneren soll es eine spezielle Gegend geben, in der Curcuma wächst. Erneut kurven wir an schön angelegten Straßen in einen Minicirque hinein. Plaine-des-Grègues liegt auf einem kleinen Hochplateau auf 660m. Einst wurden hier Geranium und Vetyver zu Parfümessenzen destilliert. Doch nach der Weltwirtschaftskrise blieb nur der Curcuma Anbau übrig. Ein markantes Bauwerk in diesem Ort ist die Kirche; von den schmutzig weißen Wänden heben die hellblau bemalten Betonfenstergitter deutlich ab. Auch im Inneren ist weiß und blau die Hauptfarbe! Von hier aus starten wir eine Rundgang um den Ort. In den Gärten entdecken wir wieder schöne Blüten in orange und rot sowie Zitronen- und Mandarinenbäume. Der Weg ist gut ausgeschildert. Wir folgen dem Pfeil „boucle du curcuma“ zu einer Wiese, dann weiter in einen Wald. Schon bald schnaufen wir steile Stufen, die mit Holzbalken gut gesichert sind, aufwärts. Tritt für Tritt kämpfen Manfred, Margit und ich uns nach oben, es ist ganz schön anstrengend. Aber die verschlungene Waldlandschaft, die Suche nach einem rotbauchigen Vogel und die Aussichten auf das Dorf mit seinen blauen, roten und weißen Dächern lenken uns ab. Am höchsten Punkt angelangt stehen wir am Rand einer Ackerfläche. Sind diese Pflanzen Curcuma? Wie es sich später herausstellt, ist das ein anderes Kraut. So steil und stufenreich der Weg hinauf ging, so geht er auch wieder abwärts bis zur Straße, die zurück in den Ort führt. Hier kommen wir an sehr gepflegten Häusern mit herrlichen Blumen vorbei: Weihnachtssternbüsche, duftende Rosenhecken, weiße und blaue Schmucklilien – ich komme aus dem Staunen kaum heraus! Bei einem Haus sehe ich orange Dinge auf dem Boden liegen! Das muss die geputzte und geschnittene Kurkumaknolle sein, die zum Trocken ausgebreitet ist.

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Es dauert auch nur wenige Minuten und schon sehen wir das orange „Maison du curcuma“! Nichts wie rein in den Laden! Auf der rechten Seite stehen schon Gefäße mit diversen Pulvern und Sirupe, im hinteren Teil ist ein kleines „Info-Kino“ eingerichtet. Gleich kommt ein netter Mann gesprungen und lädt uns ein den Film anzuschauen. In den Höhen der Plaine-des Grègues herrscht das richtige Mikroklima, indem die empfindlichen Pflanzen am besten gedeihen. Die krautige Pflanze hat Knollen, die sich wie beim Ingwer verzweigen. Nach der Ernte von September bis Dezember ruhen die Knollen ein paar Wochen. Dann werde sie gewaschen, getrocknet und zu orangegoldenem Pulver gemahlen. Die Mutterknolle enthält den Kurkuma-Wirk- und Geschmacksstoff in einer hochdosierten Form, weshalb es auch zwei Intensitätsgrade gibt. Der Kurkuma gehört zu den Ingwergewächsen. Von den über 80 Arten ist der „Curcuma longa“ auch als „Gelbwurz“ bekannt. In der réunionesischen Küche ist der „Safran Péi“, der „Safran der Armen“ das traditionellste aller Gewürze. Aus der Pflanze wird nicht nur Pulver gewonnen, sondern auch Essig und Sirup hergestellt. Wir kriegen gleich eine Kostprobe von verschiedenen Produkten. Zuerst gibt es einen sehr süßen Sirup mit Zimt, Ingwer- oder Kurkumageschmack. Dann ein Löffelchen Essig mit Ingwer, Kurkuma oder Kombava. Ich finde den mit Kombava am besten und kaufe neben verschiedenen Kurkumapulvern auch ein Fläschchen mit diesem Essig. Hier muss es gut sein, denn es sind auch drei Gendarmen zum Einkaufen da!
Am Abend gibt es im Hotel eine Verkostung südafrikanischer Weine. Da müssen die Männer natürlich hin! Wir sind pünktlich um 18 Uhr dort – und die einzigen! Simon, der junge Sommelier präsentiert einen weißen und einen roten Wein – das war´s! Da haben wir beim Essen schon andere feine Tröpfchen kennen gelernt! Gott sei Dank lockt uns der Sonnenuntergang ins Freie!

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Donnerstag, 23.10.2014 Nach den vielen Eindrücken bei unseren Ausflügen darf es heute etwas ruhiger zugehen. Pool Tag ist angesagt. Die Anlage des Hotels ist dafür hervorragend geeignet. Ein erfrischender Pool für die Hitzigen, ein warmes Becken für mich! Ein spannendes Buch unterm Schilfsonnenschirm, ein kühles Bier für die Herren in der luftigen Strandbar.

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Wolfi und ich machen gegen Abend nochmals einen kleinen Spaziergang am Strand. Ich will Sand mitnehmen. Wir vier wollen den schönen Aufenthalt in diesem Hotel gebührend ausklingen lassen und haben einen Tisch im „Makassar“ reserviert. Der Speiseraum im hoteleigenen Restaurant hat eine angenehme Atmosphäre. Wir sitzen an einem massiven Holztisch, der dezent und geschmackvoll dekoriert ist. Der Chefkellner mit indischem Einschlag schwirrt stets freundlich um uns rum und bringt schnell die Getränke. Doch der weitere Service lässt zu wünschen übrig: man schenkt im ersten Gang keinen Wein nach; beim Rotwein übersieht man bei Wolfi, der den Wein vorgekostet hat, nachzuschenken. Die einzelnen Speisen sehen wirklich sehr lecker aus: kleine Vorspeise für alle; Trilogie aus Entenleber, geräucherten Thunfisch und Palm Herz; Lammgericht im schwarzen Napf mit kürbisartigem orangen Mus und Marillen Stückchen. Leider sind die Gerichte nicht sehr warm, schade drum. Der Nachtisch hat dann vieles wettgemacht: Schoko mit Goldplättchen und Apfelsorbet.

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Freitag, 24.10.2014 Beim Hotel hat es in der Früh schon 29 Grad! Oh, wie freuen wir uns auf die Kühle des Cirque de Cilaos, unserem nächsten Ziel! In St-Louis verlassen wir die Schnellstraße und folgen der N5 in die Berge. Nach ca. 4,5 km beginnen schon die ersten dramatischen Steilwände auf der rechten Seite. Die nächsten 2km schmiegt sich die Straße an die vom Fluss Bras de Cilaos geschaffenen Abbrüche, um schließlich ganz dicht ans Flussbett heranzukommen. In den Talkessel hinein führt eine Unzahl von Kurven. In über 400 Kehren windet sich unser Weg in die Höhe – wir sind wie zwischen den Felshängen eingeklemmt. Zwischendurch passieren wir kleine Ortschaften, wie z. B. Le Petit Serre, deren schmucke Kirche gleich an der Straße steht. Ende der 1920er Jahre begann man mit dem Bau der Straße in den Talkessel. Die Arbeiten erfolgten sowohl von der Küste als auch vom Cirque her. Wenige Kilometer vor der Zusammenführung der beiden Abschnitte erkannten die Ingenieure, dass die Teilstücke nicht auf gleicher Höhe lagen. So musste für ihre Verbindung eine intelligente Lösung her: eine Schleife. Beim „Point de la Bouclé“ schraubt man sich somit in einer 270 Grad- Kurve nach oben. Tunnel sind in dieser schroffen Bergwelt eine hilfreiche Verbindung. Doch die sind so eng, dass nur ein Auto durchkommt, Beleuchtung im Inneren gibt es freilich nicht. Nach der 3. Bergdurchfahrt tut sich uns der erste Blick in den Talkessel auf! Noch verhüllen Wolken die imposante Landschaft, die uns erwartet!

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Cilaos – auf 1214m liegt der schmucke Thermalort, bewacht vom höchsten Berg der Insel, dem Piton des Neiges (3071m). Am Ortseingang stehen ein paar kleine Hütten und Häuschen, doch im Zentrum pulsiert das Leben. Gleich am Beginn der Hauptstraße grüßt ein großzügiges gelbes Gebäude mit weißen Balkonen – das Hotel „Tsilaosa“, das wir auch noch besuchen werden. Auf der Suche nach unserem Quartier merken wir schnell, hier wird uns nicht langweilig! Es gibt wunderbare Läden zum Erkunden! Unser Hotel liegt in einer Seitenstraße umgeben von einem herrlichen Garten und mit direktem Blick auf den Piton des Neiges – wenn er nicht gerade in einen Wolkenschal gehüllt ist.

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Beim ersten Erkundungsspaziergang lockt uns lautes Stimmengewirr an. Ah, der „Grand Raid“ – ein sportliches Highlight dieser Insel. Es ist ein Lauf, der von St-Pierre an der Südküste quer über die Insel nach St-Denis geht. Bei „La diagonale des fous“ – der „Diagonalen der Verrückten“ muss man auf der gesamten Strecke 172km und knapp 10.000 Höhenmeter überwinden! Dafür hat der Schnellste 2014 ca. 24,5 Stunden gebraucht! Der langsamste 66 h 15 min (Platz 1147). Im Sportstadion von Cilaos haben die Läufer ein erstes Etappenziel erreicht. Eine bunte Menschenmenge von Sportlern, Betreuern und Schaulustigen bevölkern das Gelände rundum. Da werden die Athleten ins Ziel geklatscht, andere sind schon da und erholen sich von den Strapazen der Nacht oder werden massiert, die nächsten haben ihre schmutzigen und geschundenen Füße versorgt und sich weiter auf den Weg gemacht.

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Während Margit, Manfred und ich zur Kirche spazieren, verlässt uns Wolfi. Er will unbedingt ein paar Läufern folgen und herausfinden, wo der Beginn seiner morgigen „Piton-des-Neiges-Besteigung“ ist. Von einer leichten Anhöhe aus schaut die „Eglise-Notre-Dame-des-Neiges“ majestätisch auf den quirligen Ort hinunter. Zu ihren Füssen leuchtet ein überdimensionales Kreuz aus rosafarbenen Astern. Gleich gegenüber liegt das Tourismusbüro, wo sich Manfred erkundigt, welche Busverbindungen es zu „Le Bloc“, dem Start für die morgige Wanderung, gibt. Wir treffen Wolfi wieder. Gemeinsam durchstreifen wir Cilaos mit seinen bunten Geschäftchen, gepflegten kreolischen Häusern und dunkelhäutigen Einwohnern. Am Abend gibt es im Hotel ein kreolisches Buffet. Alles ist so fein zubereitet! Besonders Margit ist begeistert – es gibt Suppe! Gemüsecremesuppe! Heute wird nicht lange rumgesessen! Wir beobachten noch die harten Sportler, die in der Nacht zur Schutzhütte „Caverne Dufour“ (2478m) und weiter nach Marla und Hell-Bourg laufen. Immer wieder blitzen ihre Stirnlampenlichter mal mehr, mal weniger im Dunkeln auf; so können wir erahnen, wo wir morgen wandern werden. Wolfi möchte um 2 Uhr morgens aufbrechen und ihren Spuren folgen; um 6 Uhr wollen wir anderen starten und schauen, wie weit wir kommen. 21:22 Uhr – Licht aus!

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Samstag, 25.10.2014 Oh je, was für eine Nacht! Lärm im und um das Hotel lässt Wolfi und mich kaum schlafen. Wolfi steht dann gegen 1 Uhr auf, richtet seine Sachen und bricht auf. Er will den Sonnenaufgang am Piton des Neiges erleben! Gegen 3 Uhr morgens geht das Spektakel dann richtig los! Im Stadion haben sich die Läufer bereit gemacht, die einen kürzeren Trial bestreiten (93km). 15 min nach 4 Uhr ist es endlich ruhig, die Athleten sind gestartet. Doch schon eine Stunde später muss ich raus aus den Federn. Kurzes Frühstück mit ein paar Bissen Baguette von gestern und ein paar Schluck Wasser. 5:40 Abmarsch mit Margit und Manfred zur Bushaltestelle. Manfred bekommt ein SMS – Wolfi ist am Gipfel! Nach 3h 35min hat er um 4:50 Uhr das Ziel erreicht! 6:01 Der rosarote Bus der Linie 63 kommt; mit ihm fahren wir zur Einstiegsstelle „Le Bloc“ 6:13 Start zur Wanderung auf das „Plateau du Petite-Matarum“ in 1380 m Seehöhe. Der Weg ist unheimlich schön angelegt, breit und mit vielen Stufen. Margit und ich haben anfangs einen guten Schritt drauf. In der lauen Morgenluft ist es einfach herrlich! 6:34 Wir haben schon ziemlich an Höhe gewonnen, noch hat die Sonne Cilaos nicht erreicht. In der klaren Luft sieht der Wald ganz märchenhaft aus, lange Bartflechten hängen gespenstisch von den Zweigen. 7:00 Cilaos wird von den ersten Sonnenstrahlen aufgeweckt. Auch der Piton des Neiges erscheint in aller Pracht, er scheint zum Greifen nahe zu sein! 7:10 eine Aussichtsplattform unterbricht das Dickicht der Bäume. Von hier aus sieht man in den ganzen Talkessel hinein 7:38 Knapp 600 Höhenmeter nach dem Start gibt es einen Unterstand und eine Quelle. Margit und ich verschnaufen kurz, dann geht es weiter. Serpentine um Serpentine gewinnen wir an Höhe; das merkt man gut, der Wind weht kühler, und der Weg ist feuchter. Wir müssen aufpassen, dass wir auf den nassen Steinen oder Holz nicht ausrutschen! Manfred haben wir etwas zurückgelassen, er hat seinen eigenen langsamen Schritt! 8:50 Wolfi kommt uns entgegen! Er erzählt kurz über seine Nachtwanderung und begleitet uns zwei Mädels noch bis zur höchsten Stelle. 8:58 Margit, Wolfi und ich sind am Pas de vue in 2478m Höhe und am Ende der steilen Wanderpartie angekommen. Die Schutzhütte ist nur noch wenige Gehminuten entfernt, aber die sparen wir uns. 1100 Höhenmeter in 2h 45min ! Jetzt haben wie eine Pause und etwas zu essen dringend nötig! Wolfi ist es bis zur Schutzhütte sehr gut ergangen. Nur den Weg zum Gipfel musste er im Finsteren ziemlich suchen. Er musste über die Steinbrocken turnen, was ein zügiges Vorankommen behindert hat. Daher rät er uns ab, weiter zu gehen. Wir bräuchten locker nochmal 1,5 h. Der Weg zieht sich außerdem zuerst rauf, dann wieder einige Meter runter, rundum den Gipfel – eine zähe Sache. Mir genügt das Ziel hier oben. Ich bin gut herauf-gekommen, doch jetzt lassen die Kräfte nach. Runter müssen wir schließlich auch noch. 9:15 ein letztes Foto noch von uns „Halbgipfelstürmern“, dann treten wir den Rückweg an. 9:18 Wer kommt denn da entgegen? Manfred hat es doch geschafft! Aber auch er ist mit der zurückgelegten Strecke zufrieden und muss nicht unbedingt auf den Pass. Der Abstieg ist relativ einfach – anfangs. Dann geht es die vielen Stufen wieder hinunter. Es gibt auch genügend Gelegenheiten und Zeit Fotos von der zauberhaften Natur zu machen: verwurzelte Bäume, Farne, Moose, Blüten, sogar Fuchsien entdecke ich im Unterholz. 10:25 Alle vier haben die Wasserstelle erreicht. Jetzt herrscht deutlich mehr Rummel. Viele Leute machen wie wir eine kleine Rast beim Abstieg. So langsam spüren wir alle, wie das Abwärtsgehen doch anstrengend ist. Aber es hilft nichts. Schritt für Schritt, Stufe für Stufe, runter – runter – runter! Die Vegetation ändert sich mit – weniger Bartflechten, dafür schöne rotblühende Pflanzen, trockenerer Untergrund. Huh, wie weit ist es noch? Wolfi zählt die Höhenmeter runter, noch 250m, noch 130m – Wann sehen wir das Auto am Parkplatz? Mir wackeln schon die Knie. Nur nicht stehen bleiben! Es kann nicht mehr weit sein! 11:30 ermüdet lassen wir uns auf die Steinbänke beim Parkplatz fallen! Wir haben es geschafft! 1h 05 min für 500 Höhenmeter runter. Hey, sind wir eine super Truppe! Jetzt nichts wie ins Quartier, duschen und entspannen. Gut, dass Wolfi mit dem Auto hergefahren ist, so kommen wir bequem zum Hotel zurück. Gegen 16 Uhr kommt Manfred, er will mit uns Kaffee trinken gehen. Gemeinsam bummeln wir über die Hauptstraße und kehren im Hotel „Tsilaosa“ ein. Dort gibt es einen „Salon du Thé“. Bei hausgemachtem Schoko- und Süßkartoffel Kuchen und einem Kännchen fein-duftenden Tees lassen wir drei den besonderen Tag Revue passieren.

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Sonntag, 26.10.2014 Nach den gestrigen „Strapazen“ habe ich herrlich geschlafen. Der Regen von Abend hat dem Sonnenschein Platz gemacht. Da steht einem Bummel durch das Dörfchen und zum Bauernmarkt hin nichts im Wege. Am Markt wird schon eifrig geschaut und eingekauft. Neben Textilien, handgeflochtenen Hüten, Obst, Gemüse, Gewürze, kleinen Snacks und Souvenirs gibt es hier auch die bekannten Linsen. Sogar „Marktschreier“, die diverse Küchenutensilien feilbieten, trifft man hier! Unsere Rucksäcke füllen sich langsam mit Vanille, Linsen und Mitbringsel.

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Der Tag ist noch jung. Und so bietet sich ein kleiner Spaziergang an. Um 10:45 fährt ein Bus in den Nachbarort Bras Sec. Doch statt des großen, modernen, rosa Busses fährt heute ein kleiner weißer 20-Plätzer…. Die Straße auf das andere Plateau hinüber ist ganz schön holprig. Doch der kleine Bus saust munter um die Kurven – Wolfi und ich werden in der letzten Sitzreihe ganz schön durch-geschüttelt! Will man bei der nächsten Haltestelle aussteigen, klatscht man 2 -3x in die Hände. Gott sei Dank macht das ein junger Réunionese statt uns. Wir steigen bei der Station „Ecole Bras Sec“ schnell mit aus. Sehr einladend sieht es hier nicht aus: kleine Blechhütten, Baustelle, Drahtzaun, Müll neben dem Strassenrand. Ein paar Schritte entfernt ist das Schild, das den Fußweg zurück nach Cilaos anzeigt. Dem folgen wir. Der Straße entlang gibt es wieder alles, was an Behausung denkbar ist – vom roten äußerst gepflegten Haus mit weißen „Lambrequins“ bis zur Baracke mit halbem Auto, einer „Stütz-mauer“ aus Autoreifen und anderem Schrott davor. Oft sehe ich das Schild „Lentilles“ (Linsen). Linsen aus Cilaos sind wegen ihres besonderen Geschmacks sehr beliebt. Grund dafür sind das trockene Klima und die Vulkanerde im Talkessel. Wir kommen auch an einem Linsenfeld vorbei. Die niedrigen Pflanzen sind t.Tl. schon vertrocknet. Ich schnappe mir eine Hülse und schaue nach, was drinnen ist. Aus der gut 1cm großen Schote drücke ich 2 Linsen heraus! Wie mühsam muss da eine Ernte sein!
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Bald weicht unser Weg von der Straße ab und geht über einen Picknickplatz. Hier beginnt der Abstieg in eine Schlucht hinunter. Wie gestern steigen wir die geschätzten 150m Höhenmeter auf schön angelegten Stufen abwärts. Bald hört man das Plätschern von Wasser und Stimmen. Am Ende des Pfades tut sich eine idyllische Landschaft aus. Der Fluss „Bras de Benjoin“ – besser ein Bach – fließt hier vorbei. Große, runde Felsbrocken säumen sein Ufer uns stauen das Wasser, dass kleine Becken entstehen. Da hat sich eine Familie eingefunden. Die Mutigen tauchen in das klare Bachwasser. Auch in unserer Runde gibt es einen Mutigen – Wolfi! Er zieht Hemd, Socken und Schuhe aus und gleitet entspannt in das Bassin. Für ihn scheint die kalte Temperatur gerade richtig zu sein…. Beim Aufstieg auf der anderen Seite brauche ich lange! Der Weg ist so unheimlich schön! Anmutig schlängelt er sich aufwärts, bedeckt von kieferähnlichen Nadeln, an Agaven vorbei, ein bisschen Urwaldfeeling, Blick auf einen markanten Felszinken, ein leicht tropischer Märchenwald! Ich könnte stundenlang schauen! Aber auch der schönste Weg hat einmal ein Ende und man landet wieder in der Zivilisation. Die Fortschritte der Menschheit stören – Plastikmüll, Zigarettenkippen, Papiertaschentücher, Alu Dosen! Gott sei Dank wird die Straße auch noch von netten Häusern mit schönen Gärten gesäumt. Wir kommen auch am Hospital und dem Dorf See („Mare a joncs“) vorbei.
Der ist wegen des trüben Wetters aber kaum belebt. Auf der Suche nach einem Plätzchen, um etwas zu trinken, lernen wir die andere Lebensart dieser Insel kennen: die Restaurants sind in der Mittagszeit voll von Menschen; nur etwas Trinken geht nicht. Wir kommen am Bauernmarkt vorbei, wo die Händler schon zusammen-packen. Am unteren Ende steht noch ein Stand, wo „Samousas“ verkauft werden. Wolfi und Manfred kaufen dort ein Potpourri der unterschiedlich gefüllten Teigtaschen ab. Am Hotelpool werden sie gemeinsam mit zwei Flaschen Rotwein vertilgt. Gegen halb vier haben wir Manfred überredet, uns auf einen Kaffee ins Dorf zu begleiten. Im Tee Salon haben wir diesmal eine deutschsprachige Kellnerin. Die Kölnerin macht hier ein Praktikum mit Sprachaufenthalt. Wir bestellen Crêpes, die vor unseren Augen gemacht und flambiert werden. Wunderbar!


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Dienstag, 28.10.2014 Ein windiger Tag begrüßt uns. Doch die Sonne scheint warm herunter, sodass wir den Vormittag am Pool verbringen. Der ist irre groß, mit Felsen eingefasst und der Boden in grünem, blauen und silbrigen Mosaik, sodass man meint den Meeresgrund zu sehen. Margit und ich machen zwischendurch mal einen Strandspaziergang, um vielleicht dort ein windgeschütztes Plätzchen zu finden. Hinterm hoteleigenen Restaurant „La Plage“ finden wir es – mit traumhafte Sicht aufs Meer und sein Wellenspiel. Gegen 13 Uhr brechen wir zu einem kleinen Ausflug auf. Nur wenige Fahrminuten entfernt, ist der „Jardin d´Eden“ – ein botanischer Garten, der auf 2,5 ha mehrere hundert Pflanzen-arten beherbergt. Ich wandle in diesem harmonisch angelegten Fleckchen Erde wie durch eine Wunderwelt der Pflanzen! Zu Beginn grüßen die auf dieser Insel bekannten Gewächse der Vanille und des Fackelingwers (rose de porcelaine), aber auch eigenartiges Grünzeug wie die Ballonpflanze mit ihren ballförmigen, grünen Fruchtständen. Oft lasse ich meinen Blick nach oben schweifen. Die verschiedenen Arten der Palmen begeistern mich! Mir war gar nicht bewusst, wie viele Oberflächenvarianten der Stämme es gibt! Ein Teil ist asiatisch angelegt: ein kleines Reisfeld, ein Seerosenteich, ein Zen-Garten. Übergangslos kommt man in den Sukkulenten Teil mit Kakteen und Baobabs.

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Etwas später schaut es ganz anders aus! Heftiges Meeresrauschen, Beachfeeling, viele junge Leute. Wir sind in
Boucan-Canot – 6 oder 7 km weiter nördlich. Bekannt ist dieser Teil durch den blütenweißen und feinsandigen Strandabschnitt, wo es durch das vorgelagerte Korallenriff weniger steil ins Meer geht. Dafür sind die Wellen umso höher, was für die Surfer und Wellenreiter paradiesisch ist. Junge Leute werfen sich gegen die heran rollenden Wassermassen und lassen sich dann an den Strand spülen. Manchmal sind sie auch den Felsen gefährlich nahe. Aber gefährlich können auch Meeresbewohner sein. Dieser Teil ist berüchtigt für Haiattacken…… Wir fahren wieder zurück nach St-Gilles-les-Bains. Beim Bummel durch den ehemaligen Fischerort gibt´s in den Geschäften der Hauptstraße oder der Marina immer eine Möglichkeit zum Shoppen. Besonders gestaunt haben wir über eine Eisdiele in einer Seitenstraße – nicht umsonst stehen die Leute hier an, wo es weit über 40 verschiedene Sorten Eis gibt! Ich probiere Tamarindeneis, das säuerlich-süß und sehr erfrischend schmeckt. Während wir alle genüsslich die kalte Leckerei schlecken, schauen wir den Wellen zu, die in der Nachmittagssonne herein rollen.

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Um 18:30 Uhr gibt das Hotel einen Begrüßungsempfang. Mit einem Glas Sekt , Weißwein oder hausgemachter Limonade in der Hand flanieren die Gäste zwischen dem großen Freiluftrestaurant und dem Pool umher. Auf der Terrasse wird warmes und kaltes kreolisches Fingerfood gereicht, auf einem Tisch werden Kosmetikprodukte aus dem Hotelshop oder Schmuck präsentiert. In einer Ecke des Hotels gibt es auch einen kleinen botanischen Garten. Eine junge Dame erklärt mir interessante Dinge über die Tabak-, Kaffee-, Geranium-, Eisenkraut-, Chili- und anderen Pflanzen, die sie dabei hat. Im Hintergrund spielt eine zwei-Mann-Band Maloya

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Mittwoch, 29.10.2014 Der Westteil der Insel ist bekannt bei allen windbegeisterten Sportlern. Für die Wanderer gibt es im Hinterland interessante Touren.  Zwischen St-Gilles-les-Bains und St-Gilles-les-Hauts liegt an der D10 ein Fast-Food-Kiosk. Dort lassen wir das Auto stehen und suchen uns den Einstieg in die Schlucht des „Ravine St-Gilles“.  Ohne Info vom Wanderführer hätten wir den Durchschlupf nicht gefunden, denn es gibt keinen Wegweiser.
Der Pfad ist gut ausgetreten, die Pflanzen rundum ziemlich dürr. Mal sehen, wann das Wasser kommt, das wir rauschen hören. Auf dem Weg lassen die Bäume und verschlungenen Äste manchmal den Blick in die Tiefe zu.

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Nach ca. 10min Wanderung wird das Blätterdach grüner und somit dichter – der erste Kanal ist da! Der ist ziemlich breit und führt das Wasser fast randhoch. Auf der Kanalmauer lässt es sich ganz bequem entlang gehen. Es ist angenehm kühl und die Landschaft dschungelmässig. Bald erreichen wir ein großes Becken, in das ein Wasserfall mündet, der in mehreren Kaskaden herabfällt. Ein paar junge Männer sind da und klettern beim Wasserfall die glitschigen Felsen hinauf. Mit Wolfi´s Hilfe springen Margit und ich über den breiten Kanal und suchen uns ein feines Plätzchen zum Zuschauen. Ganz idyllisch und wie von der Umwelt abgeschnitten liegt das „Bassin des Cormorans“ da. Wolfi packt seine Badehose aus und testet das kühle Nass. Schnell ist er drinnen, schnell ist er beim Wasserfall und schnell ist er auch wieder draußen! Das Wasser ist saukalt!

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Es soll hier drei Bassins geben. Ein Pfad führt bald in ein unwegsames Dickicht; wir kehren um.  Der dritte Weg ist spannend: wir müssen einen großen  querliegenden Baumstamm überwinden, eine kleine Betonhütte umklettern und dann hätten wir noch über rostige Wasserrohren drüber müssen – zu abenteuerlich, also retour.
Es gibt noch eine letzte Möglichkeit – dem Waldweg steil bergauf folgen! Bald erreichen wir einen Kanal, der allerdings trocken ist. Aber Leute schlendern hier entlang! So gehen wir ihnen nach und kommen an die Stelle, wo der Wasserfall in die Tiefe stürzt. Von hier aus kann man die Schlucht hinaus bis zum Meer blicken! Wo ist aber das „Bassin Malheur“, das im Wanderführer beschrieben ist? Manfred, Margit und Wolfi wollen nicht mehr weiterlaufen. Aber ich bin neugierig und muss wissen, wohin der Weg führt. Es dauert nicht lange, und nach einer kleinen Kletterpartie habe ich ein Bassin erreicht. Es ist ähnlich wie das erste, nur ohne Wasserfall, am oberen Ende der Felsen sieht man die Autos der Autobahn vorbeifahren. Die anderen haben also nichts versäumt.Wir gehen an diesem oberen Weg zurück zum Auto. Auch ein leerer Kanal hat seinen Reiz. Man kann drinnen laufen, besonders, wenn eine Felsenge kommt oder gar ein Tunnel!
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Zu Mittag sind wir am Strand. Allerdings bläst der Wind so unangenehm, dass es Margit und ich nur eingepackt wie Mumien in den Liegen aushalten.
Irgendwann hab ich genug geruht. Ich will noch den hoteleigenen Kräutergarten anschauen. Durch ein schmales Bambustor tritt man in einen liebevoll angelegten Garten, in dem die auf der Insel typischen Pflanzen wachsen: Zuckerrohr, Mais, Tabak, Auberginen, Bananen, Wein, Vanille, Zimt, Paprika, Chouchou, Baumwolle. Im Kräutergarten finde ich Minze, Geranium, interessanten Lavendel, Rosmarin,  verschiedene Salbeiarten uvm. Das Gärtchen ist ein Ort zum Verweilen!
Margit nimmt mich mit auf eine flotten Strandspaziergang. Im Sand finden wir unendlich viele interessante Korallenteilchen  und Lavasteinchen. Wir müssen nicht nur aufpassen, wo wir hin steigen, sondern auch oftmals  gegen den Wind ankämpfen. Das ist jedoch super für die Wind- und Kite-Surfer! Bei diesen tollen Bedingungen zischen sie nur so übers Wasser! Bei einer Surfschule beobachten wir die Surfer, wie sie ihre Gleitschirme richten, das Wakeboard parat machen, auf den günstigsten Wind warten und dann davon rauschen!

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Donnerstag, 30.10.2014
Es ist unser letzter ganzer Tag auf dieser Insel! Und den verbringen wir mit Gemütlichkeit – Poolleben, lesen, schwimmen, Koffer packen!

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Am frühen Vormittag starten wir vier zu einem ausgedehnten Strandspaziergang. Der Wind ist zwar nicht so extrem wie gestern, lockt aber dennoch Kitesurfer aufs Wasser. Zwischendurch kehren wir in die Bar „La Botega 974“ ein. Das ist eine tolle Location mit niedrigen Stühlen und Tischen; Essen und Trinken wird flott serviert. Aufpassen müssen wir nur, dass der starke Wind nicht nur Sand auf die Teller weht, sondern auch mal ein Salatblatt oder Pommes mitnimmt.
Am Abend genießen wir ein letztes Mal Strandfeeling. Neben dem Meer ist das Restaurant „La Plage“, wo wir uns feine Steaks und herrlichen Wein gönnen.

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 Freitag, 31.10.2014
Es ist der letzte Tag auf dieser zauberhaften Insel! Ein letztes Mal noch ein erfrischender Drink mit ein paar Samoussas am Pool, dann heißt es Abfahrt zum Flughafen!

Durch St-Paul kommen wir wegen der Autobahn recht flott. Aber in St-Denis staut es sich ziemlich! Kein Wunder – Rushhour!
Den Flughafen erreichen wir dennoch zeitig. Alles klappt prächtig – Auto abgeben, Gepäck einchecken. Schon wollen wir den Check-in-Schalter verlassen, da sagt de nette Herr: „6 kg zu viel“ – Wir müssen aufzahlen! ……….
Samstag, 1.11.2014
Den 11-Stunden-Flug überstehen wir relativ gut; mit Hilfe einer Schlaftablette geht viel…..
Wir landen in Paris pünktlich um 5:10 Uhr. Der Flug nach München geht erst um 12.20 Uhr. Zwei Stunden brauchen wir allein, um zu einem Boarding-Pass zu kommen! Wir sind nach dem Verlassen des Fliegers dem Hinweisschild „Connecting Flights“ gefolgt und mit dem Bus ins Terminal 1 gefahren. Irgendwie geraten wir in eine Gepäckkontrolle, wo wir vieles auspacken müssen. Die Rumflaschen aus dem Duty Free Shop in St-Denis werden aus ihren verschweißten Taschen genommen und genau untersucht. Der Security-Mann packt dann die Flaschen schön langsam wieder in eine andere „Zolltasche“ um. Mühsam! Margit muss sogar ihre original verpackte Körpermilch aufmachen! Umständlich! Ist aber so….

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Wir laufen mit unseren schweren Rucksäcken kreuz und quer durchs gesamte Flughafengelände, um diesen Boarding-Pass zu bekommen! Bei der Gepäckkontrolle für den Münchenflug erhalten wir die Info, dass wir „nach unten“ müssen. Gott sei Dank fragt Manfred nochmals nach und kriegt endlich die richtige Antwort: wir müssen raus aus diesem Bereich und bei „Departure“ neu einchecken. Das funktioniert endlich!
Noch einmal Kontrolle! Dort interessiert man sich für meinen Sand in der Flasche und die Linsen aus Cilaos. Außerdem werden mein Rucksack, meine Finger, Schuhe und Hände mit einem Papierstreifchen abgetastet – der „Drogentest“ ist negativ!
Endlich sind wir im Wartebereich, wo uns bald die Morgensonne ins Gesicht scheint! Der Flug nach München ist problemlos. Auch das Gepäck kriegen wir dort als erste! Jetzt noch schnell zum Auto und heim!
So schnell geht´s nun auch nicht! Die Zentralverriegelung von Manfred´s Auto reagiert nicht! Der Kofferraum und die hinteren Türen lassen sich nicht einmal mehr manuell öffnen! Das Auto macht keinen Nackler! Puuh, heute ist Allerheiligen und Feiertag! Wo kriegen wir Hilfe her?
Ich gehe mit Manfred zur Parkleitzentrale des Flughafens. Dort ist man gleich bereit zu helfen und die ziemlich sicher leere Batterie zum Starten zu überbrücken. Das Auto springt auch anstandslos an, nur die Lenkung blockiert, und Manfred kann den Rückwärtsgang nicht einlegen. Super! De nette Herr vom Parkplatzteam hat anscheinend Erfahrung mit solchen Fällen und lässt das Auto noch ein Weilchen laden, damit alle elektronischen Funktionen ausreichend mit Strom versorgt werden können. Und das hilft. Manfred dreht in der Garage noch ein paar Runden. Alles funktioniert!
Mit einem kleinen mulmigen Gefühl fahren wir schließlich los; doch der Wagen läuft ohne Probleme. Bis nach Göfis und Satteins kommen wir ohne Zwischenfälle.
Und so beweist es sich mal wieder:
„Wer eine Reise tut, der kann auch ´was erzählen! -     Oder viel schreiben!

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